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Montag, den 19. September 2011 um 18:43 Uhr

Historischer Rundweg Roßwälden – neue Broschüre weist auf Spuren der Geschichte

 

„über die ersten Siedler und die Gründung des Ortes ist kein schriftliches Zeugnis erhalten. Aber sicher ist, dass Roßwälden 1275 erstmals in einer Urkunde erwähnt wurde“. Solche und viele weitere Informationen um den Ebersbacher Stadteil sind in der neu aufgelegten Broschüre „historischer Rundweg Roßwälden“ zu finden. Die in DIN-Langformat und graublau/weiß gehaltenen Spuren der Geschichte weisen 20 Stationen auf. Erste Station ist die Dorfkirche mit dem alten ehemaligen Friedhof, Station 20 ist die ehemalige Zehntscheuer, die gegenüber dem Rathaus zu finden war.

 

Bürgermeister Sepp Vogler konnte zum offiziellen Start des historischen Rundwegs rund 80 interessierte Bürger, Gäste aus den Nachbargemeinden sowie Vertreter der Sponsoren und der Presse begrüßen. Nach ein paar launigen Worten blickte Sybille Hiller als Vertreterin des Ortschaftsrates auf die Entstehung der Idee und der Broschüre zurück.

 

Neben einer Idee, einem Konzept, historischem Material waren insbesondere eine gute Grafik, Bilder sowie Finanzen das Gerüst für dieses Projekt. Für die Idee war der Ortschaftsrat und der Arbeitskreis Roßwälden aktiv zuständig, für das Konzept wieder der Ortschaftsrat aber vor allem auch Herr Stadtarchivar Geiger, der auch das historische Material zusammengetragen hatte. Für die Gestaltung und die meisten Bilder haben wir mit Christoph Semmelrodt von der Firma Semdesign aus Roßwälden einen Insider gewinnen können, der das Projekt von der Idee bis zur Realisierung begleitete. Für die notwendigen Finanzen war es gelungen, neben dem Budget von Stadt und Stadtteil auch noch private Finanziers zu finden. Besonders dankbar sind wir für die Unterstützung der Volksbank Göppingen, der LBS Bezirksdirektion Filstal sowie der Druckerei Bechtel.

 

Mancher mag sich die Frage stellen, warum brauchen wir so was? Nun Roßwälden hat nicht nur eine aktive, engagierte Bürgerschaft in der Gegenwart und Entwicklungspotential, sondern auch eine lange Geschichte. Diese ist in Büchern und Schriften nachzulesen und ist durch viele Gebäude, die erfreulicherweise auch zu großen Teilen noch erhalten sind, auch heute noch erlebbar. Dies festzuhalten, war uns ein Anliegen, gerade auch für nicht Ortskundige, Neubürger aber auch für diejenigen, die schon lange hier wohnen, aber bei denen schon wieder vieles in Vergessenheit geraten ist.

 

Ziel war es, daraus kein weiteres Geschichtsbuch zu machen, sondern einen interessanten Weg anzureißen, der vielleicht auch weiteren Wissensdurst weckt. Und da würde sich ein regelmäßiger Besuch des Stammtisch Heimatkunde anbieten. Die Broschüren werden zusammen mit einem Anschreiben des Ortschaftsrates noch an die Rosswälder Haushalte verteilt.

 

Die Broschüre ist kostenlos, sie liegt im Ebersbacher Rathaus, bei der Volksbank Roßwälden und in der Bäckerei Rau aus oder kann über die Mitglieder des Ortschaftsrates bezogen werden.

 

Ortschaftsrat Roßwälden

Sybille Hiller

 
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Mittwoch, den 12. Januar 2011 um 21:40 Uhr
 
Das Roßwälder Wappen
Das Ortswappen

In blau über zwei silbernen Laubzweigen ein silbernes Hufeisen. Das Hufeisen versinnbildlicht den ersten teil des Ortsnamen, die Zweige den zweiten. Das Hufeisen als „redendes“ Fleckenzeichen, das auch als Marksteinzeugen nachzuweisen ist, ist in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einem hochovalen Dienstsiegel enthalten. Das heutige Wappen ist im Jahre 1956 festgelegt worden. Die Flaggenfarben sind weiß und blau.


Geologie, Frühzeit und Mittelalter

Auf der sog. „Schlierbacher Platte“ im mittleren Albvorland nimmt die Gemarkung der Gemeinde Roßwälden eine flache Mulde im Lias alpha ein, die sich nach Westen öffnet. Sie ist nur wenig von höheren Lehmdecken umrahmt.

Aus der frühen menschlichen Besiedlung ist ein Merowinger Reihengrab bekannt, das in einem Steinbruch an der Straße nach Wellingen entdeckt wurde. In jenem gemauertes Alemannengrab befanden sich auch Grabbeigaben, wie Lanze und ein Messer. Die Grabungsfunde gingen im II. Weltkrieg in Stuttgart verloren.

In der älteren Ausbauzeit ab dem 9. Jahrhundert sind für den Filsgau typische Ortnamenendungen mit Wälden typisch für die Siedlungen am Rande des Gaus fünfmal den Namen Wälden, wie Eckwälden und eben auch Roßwälden. Man nimmt daher an, daß sich die ersten Siedler von Roßwälden zwischen 900 und 1000 hier niederließen.
1275 wird Roßwälden erstmals erwähnt. In jenem Jahr schenkte Berthold von Huockenberc dem Kloster Sankt Peter in Freiburg im Breisgau sechs Höfe bei „Wälden“. Von den Herzögen der Teck und ihren Verwandten, von Lehensleuten und Ministerialen kam allmählich der ganze Ort an das Kloster Kirchheim. Ab 1381 stand die hohe Obrigkeit den Grafen von Württemberg zu.
Die Pfarrei wird erstmals 1275 genannt. Damals versah die Stelle ein Vikar, welcher dem Sulpacher Pfarrer  unterstand. 1346 inkorporierte das Kloster Adelberg das Roßwäldener Kirchlein „St. Benedikt“. Von da ab wurde es nur noch von Geislichen des Klosters betreut.

Der Ortsnamen entwickelt sich von Wäldu (1275) über Guetenwälden(1393) zu Wälden-Roßrain (1435). Aus dem späteren Zusatz „am Roßrain „ bildete sich im Laufe der Jahrhunderte der Ortsnamen „Roßwälden“. Daß in Roßwälden tatsächlich auch Pferdezucht betrieben wurde belegt ein Register von 1521, wonach für Kriegszwecke 26 Pferde zur Verfügung standen. Die für die Pferdehaltung nötige Weide am Roßrain war groß genug.

Nach einem Bericht von 1604 soll auf dem Bühel, den man Burgstall nennt, ein Schlößlein gestanden sein. Sichtbare Reste sind heute keine mehr vorhanden. Ältestes historisches Erbstück des Ortes ist die Kirchenglocke von 1447 mit der Inschrift: Maria bit Got für uns! Eingegossen sind zwei Medaillons einer Marienklage mit 2 Frauen und 2 Engel mit Glocke. Die Steingewinnung für das Bauwesen ist 1488 erstmals erwähnt, als 11 Wagenladungen mit Stein aus dem eigenen Steinbruch für die Herrschaft Württemberg ausgeführt werden mußten. Steiniger Untergrund war auch die Ursache für den Wassermangel in trockenen Sommern. 1907 endlich an das öffentliche Wassernetz von Wellingen angeschlossen.


Reformation und Kriegszeiten

1534 wurde die Reformation eingeführt. Die Verwaltungsgemeinschaft, der „Roßwäldener Stab“ wurde 1538 gegründet. Das zentrale Schultheißenamt befand sich in Roßwälden, dem damals größten der drei Orte. 1598 lebten in Roßwälden 38 erwachsene Personen, die über das Bürgerrecht besaßen, in Weiler waren das 25 und in Sulpach 7. Jahrhundertelange Streitereien ließen aber kein echtes Zusammengehörigkeitsgefühl der Teilorte erwachsen, daher löste sich die Verwaltungsgemeinschaft nach kanpp 460 Jahre des Bestehens stückweise wieder auf. 1905 wurde Weiler selbständige Gemeinde, nachdem es seit 1817 bereits erste Bestrebungen angestellt hatte. 1932 löste sich Sulpach von Roßwälden und gliederte sich nach Ebersbach ein.

In Roßwälden wurde 1600 erstmals eine Schule für die Unterrichtung der Kinder eröffnet, die jedoch vom Pfarrer nur als Winterschule betrieben werden konnte. Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Bevölkerung des Ortes stark gelitten, wobei ein Großteil der Bevölkerung nach Kirchheim geflohen war. Auch in den Kriegen mit Frankreich im 18. Jahrhundert hatte der Ort unter Einquartierungen und Plünderungen durch franz. Truppen zu leiden. Daran erinnert unter anderem ein steinernes Gedenkkreuz: 1707 wurde Hans Berger, Bürger und Zoller zu Roßwälden auf seinem Acker tot aufgefunden. Nach der Überlieferung auf dem Gedenkstein wurde er von einem französischen Husaren durch drei Hiebe und zwei Stiche in jener Nacht ermordet. In jener Nacht wurde auch das damals zu Ulm gehörende Süßen angezündet.
Im letzten Viertel des 18. Jahrhundert setzte im Bauerndorf langsam ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Dazu beigetragen hatte sicherlich auch die Schafzucht und der Verkauf der Wolle auf dem Kirchheimer Wollmarkt.


Ein paar Daten und Fakten im Überblick


1726 Neubau der Dorfkirche durch Baumeister Hipp aus Herrenberg.
          Der Bau dauert sehr lange, denn 1739 ist immer noch von Baumaßnahmen die Rede

1729 wurde das Roßwälder Stabs-Rathaus neu erbaut

1842 waren noch 2 bis 3 Morgen an den Südhängen des Roßrains mit Weinreben bepflanzt,
          die jedoch keinen besonders guten Tropfen ergeben haben sollen

Im 19. Jahrhundert litt der Ort an einem Bevölkerungsschwund, da aufgrund der schlechten Wirtschaftslage
           immer mehr Bürger sich zum Auswandern entschlossen  – in erster Linie in die Vereinigten Staaten

1860 eine größere Renovierung wurde an der Dorfkirche nötig

1897 erfolgte die erste Vereinsgründung mit dem Turnverein Roßwälden, die erste Monatsversammlung fand in der
          Bäckerei Rau in der Dorfstraße statt

1903 wurde die erste Telephonleitung verlegt

1904 Renovierung der Dorfkirche

1907 Anschluß an das Wellinger Wassernetz

1910 der Gesangverein wurde gegründet

1924 Turnhallenbau

1927 Das Rathaus erhielt einen Telefonanschluß

1929 wurde der Farrenstall neu erbaut. Heute hat im Erdgeschoß die Freiwillige Feuerwehr ihren Platz gefunden,
          im oberen Stock befindet sich ein kleiner Veranstaltungsraum

1939 wurden der Turnverein und der Gesangverein auf Anordnung der NSDAP zum Turn- und Gesangverein zusammengeschlossen, zum: „TGV“.
          Hierauf sollen sich einige Mitglieder aus dem aktiven Vereinsleben zurück gezogen haben

1939 war der Ort noch hauptsächlich kleinbäuerlich geprägt mit mehr als 70 % landwirtschaftlichen Erwerbs Personen

Bis 1939 gehörte Roßwälden zum Oberamt Kirchheim unter Teck. Im gleichen Jahr wurde es dem Kreis Göppingen zugeordnet

Im letzten Kriegsjahr kam es im April 1945 zu Gefechtshandlungen im Großraum Roßwälden. Alliierte  Amerikanische Truppen stießen
auf versprengte Teile der deutschen Reichsarmee. Bei den Kampfhandlungen wurden mehrere Gebäude im Ort zerstört,
einige Zivilisten kamen ums Leben

1950 umfaßte die gesamte Markung Roßwälden 4,5 qkm

Zwischen 1957 und 1960 wurde die Flurbereinigung durchgeführt. Hierbei entstanden sechs Aussiedlerhöfe auf freier Feldmarkung

1961 waren nur noch rund 30 % der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig

Am 01.01 1972 wurde Roßwälden nach Ebersbach eingemeindet. Damals gab es noch 24 landwirtschaftliche Betriebe


Entwicklung der Einwohnerzahlen von Roßwälden
1769:  344
1774:  374
1820:  581
1854:  658
1862:  485
1896:  491
1900:  480
1917:  417
1927:  473
1939:  453
1950:  566
1961:  742
1968: 1010
1969: 1053
1973: 1300

2006: 2132
2009: 2086



Zusammengestellt von: Uwe Geiger, Stadtarchiv Ebersbach, 05.12.2006

Quellen: Karl Mayer, Geschichte des Roßwälder Stabs, Roßwälden, Weiler, Sulpach, 1939, Reprint 1979
Statistische Handbücher, Oberamtsbeschreibung des Amtes Kirchheim, diverse Akten aus dem Zentralen Stadtarchiv Ebersbach..
 


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